Donnerstag, 16. April 2009

Liebeserklärung an die Pressefrechheit

Gleich zwei Gründe gibt es, heute über die taz zu berichten:
Erstens ist vor 30 Jahren, am 17. April 1979 die erste Ausgabe (nach den Nullnummern) erschienen. Herzlichen Glückwunsch! Spiegel Online hat schon vor ein paar Tagen darüber berichtet.
Zweitens werde ich taz-Genossin. Kürzlich habe ich meine bescheidenen Ersparnisse aus einem nachhaltigen Aktienfond zurückbekommen. Da ich fand, dass es keinen großen Unterschied macht, bei so wenig Geld irgendwelche Anstrengungen zu unternehmen, es zu vermehren, hab ich mir überlegt, etwas besonders sinnvolles damit anzustellen. Und habe 500,- an die taz Genossenschaft überwiesen. Die taz gehört den Lesern! Das klingt nett, aber die Tragweite dieser Tatsache wird einem vermutlich erst bewusst, wenn man sich ein paar Dinge überlegt. Dass z.B. eine Menge deutsche Medien der Bertelsmann AG gehören. Sogar 25,5% des Spiegel gehören Gruner+Jahr, einem Verlag der Bertelsmann AG. Und deren Eigentümerin, die Bertelsmann Stiftung prägt nicht nur die öffentliche Meinung, sondern macht auch aktiv Politik. Aber dazu später mehr. Heute geht es ja um die taz. Immer häufiger fiel mir in der letzten Zeit auf, dass Artikel auf Spiegel Online undifferenziert, vereinfachend und polarisierend waren. Bei taz.de ist das anders. Obwohl nicht so viele Themen behandelt werden und oft nicht so umfassend: Statt sensationslüsternen Überschriften finde ich hier Humor und Intelligenz. Ob ich mich verändert habe, oder SPIEGEL Online, sei dahingestellt. Und ich bestreite auch nicht, dass SPIEGEL Online gelegentlich gute Themen bringt, manchmal sogar gut recherchiert. Fest steht trotzdem, dass ich täglich taz brauche (neben der besten Zeitung sei auch die beste Zeitschrift erwähnt: Das Greenpeace Magazin). Und dass ich mich nie fragen muss, welchem Konzern meine Zeitung gehört, sie gehört nämlich mir!

Danke taz, 30 Jahre sind ein guter Anfang!

PS: Morgen, am 18.04.2009, soll eine „neue“ taz erscheinen – ich bin gespannt!

Donnerstag, 26. März 2009

Wem gehört das Wissen der Welt?

Wissen vermehrt sich mit rasanter Geschwindigkeit. Aber der Zugang wird auch immer stärker eingeschränkt: Patente auf Medikamente, Software, Saatgut... Das führt zu absurden Situationen: Bauern können plötzlich nicht mehr dieselben Pflanzen und Tiere züchten, die sie schon immer verwendet haben, weil ein Großkonzern eine Gen-Sequenz der Schweine oder das Saatgut des Broccolis patentieren lassen hat. Hilfsorganisationen können keine AIDS-Kranken in Afrika mehr behandeln, weil plötzlich astronomische Preise für die Medikamente verlangt werden. Die Forschung wird behindert, weil Erkenntnisse durch Patente geschützt werden und führ ihre Nutzung hohe Gebühren anfallen. Und dass auch das normale Urhebrrecht aus Vor-Internet-Zeiten stammt und nicht zu den kreativen Möglichkeiten passen, die heute von Millionen Menschen täglich genutzt werden, dürfte schon allgemein bekannt sein. Was tun? Das Netzwerk Freies Wissen versucht, die verschiedenen Bewegungen, die sich bereits gegen diese Probleme engagieren, zusammenzubringen.

Wissensallmende Report 2009 from netzwerk freies wissen on Vimeo.

Sonntag, 22. März 2009

Helden

Heute bin ich im Internet mal wieder auf ein paar Helden gestoßen. Zum Beispiel die Bürger von Gammersfeld. Die tragen ihr Geld brav in die Mini-Raiffeisen-Bank, seit 1890. Die kleinste Bank Deutschlands. Dort gibt es nur Girokonten, Sparbücher und Kredite. Die Finanzkrise hat keinen Weg in das Dorf gefunden. Es geht also wirklich ohne Zocken!
Heldenhaft finde ich auch immer wieder kreative Ideen, die öffentliche Aufmerksamkeit erregen. Dieses Wochenende von Attac: Die Aktivisten haben die "ZEIT" kopiert! In vielen deutschen Städten wurde eine gefälschte Printausgabe verteilt, und sogar ein falsches Online-Portal ging ans Netz und wurde ausgiebig genutzt. Auch die Anzeigen sind falsch und lassen einen beim Lesen stolpern: Arbeitslose, Verschuldete Babys, Klimakiller? Der Inhalt ist dann recht amüsant: Unter dem Schlagwort "die neue Machbarkeit" wird ein Szenario entworfen, wie die heutige Krise genutzt werden könnte, um das Finanzsystem nachhaltiger und gerechter zu machen. Über eine G20-Vereinbarung über die Bekämpfung von Steueroasen wird ebenfalls berichtet.
Gerade in der letzten Zeit fiel mir häufig auf, wie undifferenziert und einseitig die großen Medien über die Finanzkrise berichten und wie viele wichtige Themen kaum oder gar nicht behandelt werden. Das macht die Genialität der Aktion aus: Es wird nicht nur auf extrem wichtige Themen aufmerksam gemacht, sondern auf die Probleme der Medienlandschaft, die sonst kaum sichtbar werden. Die Printausgabe kann man hier als pdf runterladen, sie ist aber über 8 MB groß.
Ach ja und noch etwas: Ich habe Walter Hase getroffen!

Montag, 9. März 2009

Wem gehört die Welt...

...oder wer wird den Klimawandel alleine stoppen?



www.global-commons.net

Donnerstag, 19. Februar 2009

Der Kapitalismus zerstört sich selbst - aber noch nicht jetzt

Gestern gab es in der taz einen beeindruckenden Artikel zur Finanzkrise. Ich will versuchen, diejenigen Aussagen zusammenzufassen, die ich noch nicht so häufig gehört habe.

1)Angeblich ist die Krise entstanden, weil Grundstückskäufer ihre Schulden nicht bezahlen konnten. Warum bekommen diese dann nicht das Geld? Das würde den Familien und den Banken nützen.
2)Wahrscheinlich weil man dann merken würde, dass das nicht die wahren Ursachen sind. Nicht ratiopharm hat Merckle in den Ruin getrieben, sondern gigantische Spekulationen mit Aktien.
3)Deshalb ist die Krise eine Krise des Kapitalismus: Die Banken sind misstrauisch geworden, sie wollen kein Geld mehr verleihen.
4)Das neue Misstrauen kann die Regierung mit Milliarden nicht beseitigen. Aber warum versucht sie es? Warum will sie Privatbanken retten, anstatt über die staatlichen Landesbanken und die kommunalen Sparkassen die „freie Wirtschaft“ mit Geld zu versorgen? Dieser Punkt erscheint mir besonders einleuchtend. Wenn die Wirtschaft den Menschen dienen sollte, wenn es tatsächlich langfristig um Arbeitsplätze ginge, müsste man doch dafür sorgen, dass die Unternehmen weiter Kredite bekommen und nicht dass die Privatbanken überleben! Zitat: „Warum sollen die, die den Markt immer vergöttert haben, jetzt nicht mit diesem Markt glücklich untergehen dürfen?“
5)Wie viele Milliarden bereits in die Banken gepumpt wurden, wird kaum erwähnt. Statt dessen wird diskutiert, ob der Staat zu viel Kontrolle hat und ob er überhaupt Schulden machen sollte (nicht wofür).
6)Zitat: „Was also ist die Krise? Das Bankensystem hat sich selbst ruiniert, aber nicht weil es die Regeln des Kapitalismus verletzt hat, sondern weil es sie konsequent befolgt hat: Ziel war und ist nichts als Gewinn, soziale Verantwortung oder Ethik hin oder her. Ebenso wie der Staatssozialismus an sich selbst erstickt ist, haben sich die Banken damit in einem Meer von Geld selbst ertränkt und sich gegenseitig in die Pleite getrieben. Im Unterschied zum Staatssozialismus haben die Banken aber einen Weg gefunden, das Ende des Kapitalismus noch einmal in ein neues Aufblühen zu verwandeln. Denn zusammen mit den Medien sorgen sie dafür, dass sich die Struktur des Wirtschaftssystems nicht ändert, aber der Staat die Kosten trägt. Wie lange? Bis auch er pleite ist.“
7)Zitat: „In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil aus Vermögen und Unternehmertätigkeit am Bruttosozialprodukt kontinuierlich gestiegen, in der Bundesrepublik wie im Rest der Welt. Der entfesselte Kapitalismus hat getan, wofür er da ist, nämlich die Kapitalrenditen immer stärker in die Höhe getrieben und so die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter geöffnet.“ Das kann logischerweise nicht immer so weitergehen. Irgendwann können die Gewinne nur noch zunehmen, wenn der Staat seine Steuergelder an die Banken und Unternehmen transferiert.
8)Der Erhalt von Arbeitsplätzen ist meist das Totschlagargument, um unangenehme Maßnahmen zu rechtfertigen. Peinlich, dass die Banken von dem Geld andere Banken kaufen oder Boni an ihre Mitarbeiter auszahlen.
9)Die, die Krise geschaffen haben profitieren bereits wieder von Spekulationen mit billigen Aktien.
10)Die Bürger sind geduldig, lassen sich immer wieder besänftigen, nehmen in Kauf, jahrzehntelang zu zahlen. In den Medien wird kaum darüber berichtet, dass es in anderen Ländern Proteste gibt.
11)Wenn sich nichts ändert, „wird das alles enden, wie Marx es vorausgesagt hat: Der Kapitalismus als eine Folge von Krisen, die immer existenzieller werden. Irgendwann dann auch für die Banker.“

Mittwoch, 18. Februar 2009

Wie bitte Herr Mehdorn???

Folgende Mail hatte ich auf Anregung von www.campact.de an Herrn Mehdorn geschickt:

Sehr geehrter Herr Mehdorn,


hiermit kündigen wir Bürgerinnen und Bürger Ihren Arbeitsvertrag als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG mit sofortiger Wirkung.

Gründe:

- Sie haben zu verantworten, dass die Revisionsabteilung der Bahn heimlich und ohne konkreten Verdacht bis zu 188.602 Mitarbeiter/innen angeblich zum Zwecke der Korruptionsbekämpfung über Jahre ausgespäht hat.

- Sie haben die Bahn zum internationalen Logistikunternehmen ausgebaut, anstatt für zuverlässige, günstige und häufige Zugverbindungen zu sorgen. In Ihrer Amtszeit wurden 3.600 Kilometer Schiene abgebaut, sämtliche InterRegio-Verbindungen eingestellt und 400 Bahnhöfe geschlossen.

- Sie werben weiter für einen Börsengang der Bahn, auch wenn dieser auf Grund der Finanzkrise ausgesetzt wurde. Sie wollen öffentliches Eigentum zu einem Spottpreis verscherbeln und die Bahn den Profitinteressen von Kapitalinvestoren unterwerfen.

Für Ihren weiteren beruflichen Werdegang wünschen wir Ihnen dennoch viel Erfolg!

Mit freundlichen Grüßen

Miriam Lakemann


Und das war die Antwort:

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Unternehmen.

Der Winter zeigt sich auf bahn.de dieses Jahr von seiner ganz besonderen Seite. Nicht nur mit tollen neuen Angeboten, wie z.B. dem Dauer-Spezial mit BahnCard-Rabatt für alle BahnCard 25-Inhaber oder auch dem London-Spezial ab 49,- Euro für Ihr ganz persönliches Winterwochenende in der quirligen Metropole Großbritanniens. Auch einige Tipps für Ihren Ski- und Winterausflug haben wir für Sie parat. Wie wäre es beispielsweise mit einem Wintercanyoning-Wochenende in den Allgäuer Hochalpen?! Die Bahn bringt Sie hin. Viel Vergnügen bei Ihrer nächsten Bahnreise wünscht Ihnen

die Deutsche Bahn AG.

Darunter folgten noch sechs Werbeangebote. Fazit: Wer die Bahn kritisiert kriegt Werbung. Das wird sicher viele Kritiker überzeugen!

Montag, 9. Februar 2009

Petition: Bedingungsloses Grundeinkommen

Eine Menge ist schon von Politikern über verschiedene Versionen des bedingungslosen Grundeinkommens diskutiert worden. Jetzt hat eine Tagesmutter eine Petition zu diesem Thema beim Bundestag eingereicht. Ihr Ziel: „Allen Bürgern ein würdevolles Leben zu gewährleisten“. Eine Frau, die merkt, dass etwas nicht stimmt und versucht, es zu ändern. Das beeindruckt mich. Deshalb habe ich unterschrieben, auch wenn die von ihr vorgeschlagene Lösung nicht optimal ist. An diesem Beispiel sieht man aber auch, dass eine Menge nicht stimmt, in unserer „Demokratie“. Warum gibt es sowas nicht viel häufiger, warum machen nicht viel mehr Menschen mit und warum gibt es nicht viel mehr und bessere Instrumente, die die Gestaltung der Gesellschaft durch die Bürger ermöglichen? Und nebenbei: Hat es System, dass die Internetseite des Petitionsausschusses so erbärmlich schlecht funktioniert? Die Unterzeichnung hat eine gefühlte Stunde gedauert.